Mutter, du nervst!

Nerv nicht, Mutter! Dieser Satz gehört vermutlich zu den unangenehmsten, die sich eine Mutter vorstellen kann. Und doch fällt er gar nicht so selten, vor allem in der Pubertät. Da nerven Mütter ständig. Sei es, wenn sie fragen, ob die Hausaufgaben oder andere Dinge erledigt sind, sei es, wenn sie darauf hinweisen, dass der Sprössling noch nichts Vernünftiges gegessen habe oder es endlich Zeit zum Schlafengehen sei.

„Nerv nicht, Mutter“, dies sagt auch Lutz dauernd zu Stephanie. Lutz ist 15 und hat sich zuhause vollkommen in seine Räuberhöhle zurückgezogen. Er daddelt ununterbrochen am PC oder liest Comics. „Was soll ich denn machen, Bernadette?“, fragte mich Stephanie verzweifelt.

Tja, was soll sie machen? Zunächst einmal Ruhe bewahren. Lutz ist offenbar in der Pubertät, und bei jedem fällt diese Phase anders aus. Lutz gehört offensichtlich zu den Kandidaten, die dazu neigen, sich zurückzuziehen. „Gibt es Anzeichen für Mobbing oder Drogen oder ähnliches?“, fragte ich behutsam. „Ich glaube nicht. Er ist ja nicht deprimiert oder so. Er ist einfach frech und will mich nicht dabei haben. Ein Schild an seiner Zimmertür sagt mir, dass ich dort nichts zu suchen hätte. Aber das kann ich doch nicht so stehen lassen!“

„Doch, kannst du! Ich befürchte, je mehr du dagegen ankämpfst, desto genervter reagiert Lutz. Gelassenheit ist das Gebot der Stunde!“ „Na, du bist gut, Bernadette! Ich kann ihn doch nicht in der Bettwäsche schlafen lassen, die seit Monaten aufgezogen ist“, entrüstete sich Stephanie. „Und warum eigentlich nicht?“, fragte ich zurück. „Ja, weil, ach, wenn er anfängt zu stinken, was werden die Leute über mich als Mutter denken?“, regte sie sich auf. „Stephanie, wenn Lutz wirklich anfangen sollte zu stinken, werden es ihn seine Klassenkameraden, besonders die weiblichen, schon wissen lassen“, prophezeite ich.

„Je mehr du ihn angehst, desto genervter wird er reagieren. Lass ihn in seinem Zimmer hocken und gewähren. Ich denke, das wächst sich aus. Was kann denn schlimmstenfalls passieren? Ich denke, Lutz ist alt genug, um gewisse Konsequenzen – Stichwort „stinken“ – selber zu reflektieren. Vertrau auf die Macht der Außenwirkung. Überrasche ihn mit Gleichgültigkeit. Das kann manchmal Wunder wirken. Willst du gelten, mach dich selten!“. Wenig überzeugt ging Stephanie nach Hause. Das war vor drei Wochen.

Heute früh saß Stephanie wieder bei mir. „Wie sind die letzten drei Wochen gelaufen?“, möchte ich wissen. „Ach, gar nicht so schlecht. Ich habe mich konsequent an deinen Rat gehalten. Die ersten Tage ist es mir schwer gefallen, aber dann habe ich sogar angefangen, die Zeit zu genießen. Bin mal wieder zum Sport gegangen und habe Sohnemann oben rummuffeln lassen. Am Freitagabend hab ich Pizza gebacken, und nach zehn Minuten stand er plötzlich in der Küche und fragte, ob er auch ein Stück haben könnte. Danach haben wir gemeinsam Krimi geschaut. Ganz einvernehmlich jeder auf einem Sessel im Wohnzimmer“, grinst sie.

Das ist doch ein Anfang, oder? Und ich mach für heute Ende!

Bis zum nächsten Mal, eure Bernadette!

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